Bushcraft, Survival – Wo ist denn da der Unterschied?!?

Survivalisten, Bushcrafter, Primitive Skills – Leute und Wildnispädagogen. Alle sind auf irgendeine Art in der Natur unterwegs. Aber sind das alle Gemeinsamkeiten? Gibt es nicht klare Abgrenzungen, wer was kann und macht? Dies ist ein Ansatz, wenigstens etwas Klarheit in den Bezeichnungsdschungel zu bringen.

Werfen wir einen Blick auf die Anglismen, die uns bei diesem Thema begegnen.

Survival bedeutet schlicht Überleben.

Bushcraft frei übersetzt Busch- oder Wildnishandwerk.

Primitive Skills sind primitve Fertigkeiten, wobei es hierbei um Handwerk im weitesten Sinne geht.

Ein Bushcrafter, der mit einer Schnur an einem gebogenen Holzstock, dessen Schnur um einen geraden Holzstock gelegt wurde, um mit einem Handstück auf ein Brett am Boden gepresst zu werden und durch bewegen des Bogens und damit schnelles Drehen der Spindel Feuer erzeugen will…ist das ein Bushcrafter? Oder da ist da jemand im Bereich Survival unterwegs, weil kein modernes Feuerzeug zur Hand ist? ist es vielleicht jemand der Primitve Skills übt, weil die Techniken der Menschen vor eingen 1000 Jahren erporbt werden wollen. Tja und da sind wir auch schon mitten drin in der Problematik. Oft sind die Inhalte genau die selben. Was sich oft unterscheidet, ist der Grund, warum sich mit diesen Inhalten beschäftigt wird. Ein weiterer Faktor ist, auf welche Weise oder mit welchem Fokus sich mit einer Aufgabe beschäftigt wird.

Versuchen wir eine Vereinfachung. Bei Survival geht es darum, mit möglichst wenig Energieeinsatz und den Dingen, die man dabei hat, teilweise ergänzt durch natürliche Materialien, das Überleben zu sichern. Egal um welchen Preis. Überleben steht im Vordergrund.

Beim Bushcraft steht nicht das Überleben im Vordergrund, sondern es sich in der Natur, mit dem was gefunden wird, möglichst gut einzurichten. Dabei neue Wege auszuprobieren und beim nächsten Ausflug vielleicht einen Outdoorgegenstand weniger mitzunehmen, weil dieser nicht mehr benötigt wird. Es wird versucht, sich von den modernen Hilfsmitteln Schritt für Schritt weiter zu entfernen und diese überflüssig werden zu lassen.

Menschen, die Primitive Skills betreiben, oder deutsch Archäotechnik, gehen genau gegenteilig vor und möchten möglichst nur Werkzeuge und Hilfsmittel der Natur nutzen und das auch noch möglichst passend zu eine vergangenen Zeitepoche der Menschheit; also Alt-, Mittel- oder Jungsteinzeit, Bronze- oder Eisenzeit.

Alle drei Gruppen können Feuer bohren, jedoch tun sie dies unter einem anderem Fokus: Beim Survival das Üben für den Notfall – es muss schnell gehen und effezient sein. Beim Bushcraften soll es Spaß machen, darf aber gern herausfordernd sein. Im Sinne der Primitive Skills geht es oft um das exakte Nachmachen alter Techniken.

Tja, was bringt uns das. Sind diese Ausführungen reif für Wörterbücher und Nachschlagewerke? Leider nein und ich würde mich freuen, wenn es so wäre. Leider besteht zu den Inhalten und Begriffen weitestgehend Uneinigkeit. Es gibt Survivalisten, die eigentlich nur Campen gehen und Bushcrafter, die manchen Primitive Skills Freak in die Tasche stecken.

Aber warum schreibe ich dann diesen Text? Ich möchte für das, was wir hier in der Waldläufer Akademie anbieten, Klarheit schaffen, denn in unserem Logo sind diese Begriffe vorhanden. Aus gutem Grund, denn in unseren Kursen lehren wir Überlebensfertigkeiten, auch wenn wir vielleicht gerade nett am Feuer grillen. Wir leben Bushcraft, indem wir Tierspuren zu Quellen folgen und Wasser filtern, um es trinkbar zu machen. Und Primitive Skills erfahren und erleben alle Teilnehmer, die sich trauen weiter zu fragen und auszuprobieren.

 

Ein Survivalist wäre demnach, frei übersetzt, ein Überlebensspezialist/Experte. Da fängt das Dilemma schon an. Ab wann ist man ein Überlebensexperte? Herr Nehberg mit Sicherheit. Was er schon alles buchstäblich überlebt hat, ist sehr beeindruckend. Aber kann man sich selbst Survivalist nennen?

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